DRAMAWERKSTATT
Mar
17

Schlachtfest - Leseprobe

ER,
Der Düsseldorfer Mörder,
Peter Kürten

SIE
Seine Frau Auguste,
Geborene Scharf

ZEIT
23.5.1930

 

 

Szene 4/IV

SIE
Verbrennen muß man sich lassen.

ER
Feuer kann die Seele reinigen.

SIE
Asche ist schwerer zu schänden.

ER
Du befürchtest einen Akt der Rache.

SIE
Sie werden über uns herfallen.

ER
Über unsere Familien.

SIE
Über unsere Leichen.

ER
Der Düsseldorfer Mob wird das Haus stürmen. Da hast du recht. Sie werden in Scharen von Hunderten hier aufkreuzen.

SIE
Sie werden ihre Exkremente vor den Eingang kippen.

ER
Die Fassade werden sie damit einschmieren.

SIE
Einschmeißen werden sie das. Das Glas wird kaputtgehen. Die Fenster zu Bruch.

ER
Mit Steinen. Von der gegenüberliegenden Seite aus. Mit Stöcken und mit Knüppeln. Aus den unteren Etagen.

SIE
Das wird splittern bis hierhin.

ER
Schreie werden durch das ganze Haus hallen.

SIE
Es wird zur Plünderung kommen.

ER
Da ist die Polizei vor.

SIE
Unsere Nachbarn werden frühzeitig zuschlagen.

ER
Das glaube ich nicht.

SIE
Aber sicher werden sie das. Wenn das die Meiers wären. Was würde wohl passieren.

ER
Wenn der Meier der Mörder wäre.

SIE
Und die Meier die Frau des Düsseldorfer Mörders.

ER
Da ging ich mit dem Beil rein.

SIE
Das würdest du.

ER
Aber sicher würde ich das.

SIE
Und ich ginge mit dir.

ER
Deren Bilder kämen runter von den Wänden.

SIE
Die Tapeten würde ich aufschlitzen.

ER
Anschließend herunterreißen.

SIE
Die Räume ausmisten.

ER
Ausschlachten.

SIE
Man müßte gründlich darin aufräumen.

ER
Man müßte die Eingeweide der Wohnung freilegen.

SIE
Dieses hübsche Schlafzimmer von denen. Das täte ich zerfetzen. Mit dem Messer. Alles zerfleddern. Zerschreddern. Vernichten. Verschnitt.

ER
Verdient hätten sie es jedenfalls.

SIE
Anzünden täte ich deren Wohnung.

ER
Da könnte unsere Wohnung aber leicht mitbrennen.

SIE
Aber ansonsten alles.

ER
Da bliebe nicht viel übrig hinterher.

SIE
Da ginge alles zu Bruch.

ER
Das gäbe eine ordentliche Schlacht.

SIE
Die Wohnung könnte man anschließend vergessen.

ER
Lass es uns doch tun.

SIE
Was sollen wir tun.

ER
Gehen wir rüber.

SIE
Zu den Meiers mit dem Beil.

ER
Zu den Meiers mit dem Beil.

SIE
Aber die haben uns doch nichts getan.

ER
Ja, getan haben die uns freilich nichts.

SIE
Ja, warum willst du das denn machen.

ER
Sühnen müßen die jetzt.

SIE
Wofür sollen die denn sühnen.

ER
Für alles. Alles. Was bei uns in die Brüche geht.

SIE
Aber das ist doch nicht deren Schuld.

ER
Muß es auch nicht.

SIE
Muß es dann wohl.

ER
Nichts darf man tun.

SIE
Aushalten muß man halt.

ER
Alles muß man hinnehmen.

SIE
Man muß leiden können.

ER
Wenn man das nicht kann.

SIE
Muß man aber können.

ER
Das ist nicht zu ertragen.

SIE
So ist nunmal das Leben.

ER
Das Leben ist schrecklich.

Er tötet sie.